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EAASDC-Bulletin Mai 2011

quadratisches Querdenken

Die Quadratur des Kreises

Ulla Hoppe, (ehemals) Colonia Swingers


Vor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen, eine Ausstellung mit Grafiken von Leonardo da Vinci zu sehen. Unter anderem war auch die "Quadratur des Kreises" dabei, ein Bild, das mich schon lange fasziniert. Ihr kennt das Bild sicher alle: Da steht ein Mann mit ausgestreckten Armen und Beinen und seine Hände und Füße berühren sowohl den Kreis als auch das Quadrat, das ihn umgibt.

Und damit sind wir auch schon beim Thema: "Quadrat und Kreis", Formen, die einen Gegensatz bilden und doch ineinander enthalten sind? Geht das?

Diese Frage beschäftigte mich immer mal wieder und schärfte meinen Sinn für diese Formen rings um mich herum. Und im Laufe der Zeit entdeckte ich eine ganze Anzahl von Beispielen in diesem Zusammenhang, zunächst natürlich in der uns bekannten Squaredance-Welt.

Vier Paare stehen in einem Square, einem Viereck, doch beim ,,right and left grand" beschreibt unser Weg einen Kreis. Und dann erst recht beim "grand square", der wohl "eckigsten" Figur überhaupt: Spätestens dann drehen manche Tänzer so richtig auf. Sie haben ihren Spaß und es geht "rund'.

Sicher erinnern wir uns auch noch an unsere eigene Graduation oder die aus diesem Juni: Der Raum hat vier Ecken, vier Stationen, und doch begeben sich die neuen Tänzer auf einen Rundgang.

Ähnlich geht es mir bei meinem zweitliebsten Sport, dem Wandern: Es gibt Rundwanderwege und doch haben sie zuweilen Eckpunkte.

Und auch in dem Anschreiben zu einem Vertragsentwurf, das mein Chef mir kürzlich diktierte, sprach er davon, die Eckpunkte zu skizzieren, und schloss mit der Bemerkung, er halte den Entwurf für eine durchaus runde Sache.

Im vorigen Sommer hörte ich ein besonderes Konzert in der Philharmonie. Es wurden zeitgenössische Stücke von chinesischen Komponisten gespielt, die alle während der Kulturrevolution geboren sind, so ungefähr Jahrgang 1960. Es war ungewohnt für unsere westlichen Ohren, aber mir hat es gefallen. Und es hat mich nicht gewundert, dass sich nur eine Handvoll interessierter Zuhörer in der großen Philharmonie eingefunden hatte und sich irgendwie in dem großen runden Raum verlor. Das wiederum machte es aber den Musikern möglich, nach der Pause im zweiten Teil des Konzerts ihre Plätze auf dem Podium zu verlassen und sich in einem großen Viereck rings um die Zuhörer herum aufzustellen. Es gab also Quadrofonie in ihrer Urform und wir waren doch direkt von ihr eingekreist. Schon wieder diese beiden Formen, aber diesmal andersherum!

Ja, und dann war da natürlich damals die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland und auch da ging es im wahrsten Sinne des Wortes rund. Oft genug war zu hören und zu lesen: "Das Runde muss in das Eckige!" Ich denke, dass ich das richtig behalten habe. Oder musste es vielleicht doch andersherum sein und das Eckige sollte in das Runde? Vielleicht war ja auch gar nicht der runde Ball gemeint, der in das eckige Tor sollte? War vielmehr stattdessen ein eckiges Stück Käse gemeint, das in den rund gespitzten Mund sollte? Rund gespitzt deshalb, weil der Mensch gerade oh! sagte, weil das Runde schon wieder nicht in dem Eckigen gelandet war? Wie dem auch sei...

Ach ja, zur WM gab es auch noch diese Puzzles in Fußballform. Jawohl, ein richtiger runder Ball wurde aus diesen kleinen Steinen gebaut! Aber sind Bausteine nicht meistens eckig?

Diese und ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf und ich sprach sie teilweise auch aus, als ich mal wieder im Kreise meiner Quilt-"Nähschwestern" an einem eckigen Tisch saß. Wir arbeiteten an einem Gemeinschaftsquilt für einen guten Zweck. Die spezielle Form, in der er genäht wurde, nennt sich "window cathedral". Ja, auch dort gibt es "definitions"! Dabei wird ein quadratisches Stück Stoff gefaltet, gewendet und zum Schluss werden die Kanten halbkreisförmig per Hand aufgenäht. Wenn alles zusammengefügt ist, kommt am Ende eine Fläche heraus, die aus lauter Quadraten und Kreisen besteht, wovon je ein Kreis auf vier Quadraten zu liegen scheint und die Außenkanten dieser Quadrate berührt, allerdings vorausgesetzt, man hat ordentlich genäht. Hört sich aber komplizierter an als es ist - wie beim Squares Dance.

Eine Menge interessanter und teils verwirrender Gedanken zu diesem Thema, wie mir scheint ...

Nachdem mir im Kopf vor lauter Denken nun alles rund geht und bevor ich ein großes viereckiges Rathaus im Kopf habe, werde ich jetzt noch ein wenig Luft schnappen gehen, die Füße vertreten und eine Runde um den viereckigen Block drehen ... und mich auf nächsten Mittwoch freuen, wenn ich wieder in einem Viereck mit Euch stehe und es hoffentlich richtig rund geht ... Bis dahin mit quadratischen, lieben Grüßen Eure Ulla

Grafik: Leonardo da Vinci, Vitruvian Man, ca. 1487

Und zum Schluss eine passende Bemerkung von Clive Jones zum Thema: Mein Vater pflegte zu sagen: „Ich mag zwar ein Spießer sein, aber ich bin ganz schön rumgekommen.“

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