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European Association
of American Square Dancing Clubs e.V.

 
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EAASDC-Bulletin Juni 2011

Veranstaltungsbericht

Pader Rodeo:
Mythos – Herausforderung – Tanzspass
Renate van der Beek, Colonia Swingers

Vom 8. bis 10. Oktober 2010 fand in Altenbeken bei Paderborn das 24. Pader Rodeo statt, und wir waren dabei.

Freitag, 8.10.

13:00 Uhr

In diesem Jahr können wir dank einsichtiger Arbeitgeber richtig früh los, und ab geht’s auf die A1 Richtung Ruhrgebiet, voller Vorfreude auf das Pader Rodeo. Ich weiß noch, wie ich vor ungefähr drei Jahren das erste Mal vom Pader Rodeo gehört habe: „Das ist ein einmaliges Erlebnis“, „gaaaanz tolle Caller“, „so viele Squares“, dazu die glänzenden Augen und die sichtbare Freude der Berichtenden. Für mich stand damals schon fest: das will ich auch erleben.

14:00 Uhr

Schon bei der ersten Pause sehen wir am Rastplatz an einem Auto einen Square Dance-Aufkleber und treffen in der Raststätte auf entfernt bekannte Tänzer. Wir nicken uns zu und bestätigen uns gegenseitig: „Wir sehen uns ja dann sicher heute Abend auf dem Floor.“

15:00 Uhr

Das Navigationsgerät meldet „Stau auf der Route“ und will uns auf eine Nebenstrecke lotsen. Diesmal fallen wir nicht darauf rein: Letztes Jahr sind wir nämlich bei heftigem Regen und einsetzender Dunkelheit eine Stunde durch die Innenstadt von Soest geführt worden.

Wir bleiben auf der A44 und werden mit immer blauer werdendem Himmel belohnt. Die kurzen Stücke zähfließenden Verkehrs sind, wie uns auch andere Autofahrer später versichern, kein Grund, die Autobahn zu verlassen.

17:00 Uhr

In der Jugendherberge Bad Driburg werden wir freundlich begrüßt und beziehen ein großes Zimmer mit eigenem Bad – und fünf Betten. Da wir uns auch in diesem Jahr relativ spät entschieden haben, zum Pader Rodeo zu fahren, war die Auswahl an Unterkünften nicht mehr groß. Voriges Jahr waren wir in der Jugendherberge Paderborn, die wir ebenfalls empfehlen können. Sie ist von Köln aus ein paar Kilometer näher, dafür liegt Bad Driburg etwas näher am Tanzort. Wie bei anderen Square Dance-Veranstaltungen bieten aber auch die Pader Jumpers Übernachtung (sogar mit Frühstück) in der Halle an oder die Möglichkeit, mit dem Wohnmobil an der Halle zu kampieren.

18:30 Uhr

Im einladenden Foyer der Eggelandhalle läuft die Registration reibungslos und zügig, wie überhaupt die gesamte Organisation an diesen drei Tagen. Die Halle ist ein Glücksgriff für eine solche Veranstaltung: Es gibt eine richtige Küche, einen kleinen Speiseraum, zahlreiche Parkplätze, saubere Toiletten und mehrere Umkleiden. Im Untergeschoss befindet sich eine Gaststätte (ich glaube, da gibt es auch eine Kegelbahn, aber wir sind ja zum Tanzen hier) und sogar noch Platz für Square Dance-Shops. Die Halle selbst ist eine Turnhalle, die aber durch die holzgetäfelten Wände und die Theke an der Stirnwand deutlich aufgewertet wird. Die Holzwände sind schön geschmückt, es gibt eine große und eine kleine Bühne und ein paar Reihen Tische mit Stühlen.

19:00 Uhr

Etwa zwanzig Squares stehen schon erwartungsvoll auf dem Floor, als Thorsten Geppert, Club-Caller der Pader Jumpers, auf die Bühne kommt. Thorsten stellt die beiden anderen Caller vor: Stefan Förster und den Kanadier Barry Sjolin. Man merkt sofort, dass die Chemie zwischen den Callern stimmt. Die ersten Tips laufen: Die Tänzer hören sich in die teilweise fremden Stimmen und ungewohnten Formulierungen zwischen den Calls ein, die Caller testen vorsichtig die Grenzen der Tänzer. Mir fällt mein erster Abend auf dem Pader Rodeo vor zwei Jahren ein, gut drei Monate nach meiner Graduation: Thorsten callte ein „right and left through“, und da ich links stand, dachte ich „ das geht doch gar nicht!“ Aber es ging dann doch irgendwie, und die Geschwindigkeit war damals eine echte Herausforderung für mich (nein, es war kein Hot Hash, aber es kam mir zeitweise so vor).

Auch heute ist es nicht gerade langsam, und das Tanzen macht richtig Spaß: Genau die richtige Mischung aus schnellen und langsameren Stücken, verblüffenden Figurenfolgen und bewährten Singing Calls. Die Tanzfläche wird voller, und die ersten Special-Spezialitäten bürgern sich ein: beim Erreichen der Home Position folgt auf das dreimalige Klatschen zunächst nur aus einzelnen, dann aus immer mehr Squares der Ausruf „zack bumm“.

Ein toller Abend, wie ein ganz besonders gelungener Club-Abend.

22:00 Uhr

Ich bewundere alle, die jetzt noch die Energie haben, Afterparty zu machen und noch mehr zu tanzen, denn auf der kleinen Bühne wird nachher noch Musik gemacht. Irgendwann werde ich mal durchhalten und dabei sein, aber jetzt will ich nur noch duschen und schlafen.

Samstag, 9.10.

10:00 Uhr

Das Frühstück ist besser, als man es in einer Jugendherberge erwartet. Und wie wir später von anderen Colonias hören, ist das Übernachten in einem Hotel oder einer Pension keineswegs eine Garantie für besonderen Komfort. Man kann aber auch eine Ferienwohnung mieten. Im ersten Jahr hatten wir uns zu viert eine Ferienwohnung geteilt und dadurch auch genug Platz, um am Samstagmorgen sicherheitshalber den merkwürdigen „right and left through“ aus der „falschen“ Position zu lernen.

11:00 Uhr

Heute sind viel mehr Tänzer da, die Parkplätze werden knapp, und auch in den Umkleiden wird es eng. Oder ist das nur bei uns Damen so, wegen der platzraubenden Petticoats?

Es herrscht eine Art Workshop-Atmosphäre: die große Halle ist durch eine von der Decke heruntergelassene Trennwand in zwei kleinere Hallen geteilt. An allen Eingängen hängt eine Liste aus, welcher Caller welches Programm in welcher Halle callt. Das Tanzprogramm geht bis zum Level A2, aber Mainstream kann die ganze Zeit hindurch in der jeweils anderen Halle getanzt werden. Immer mehr bekannte und befreundete Tänzer treffen ein, darunter auch eine erfreulich große Anzahl Colonia Swingers.

15:00 Uhr

Das Kuchenbuffet nimmt die gesamte kurze Hallenseite ein, und die Tänzer bilden die übliche Schlange. Das Warten vor dem Buffet gehört halt dazu und wird durch Gespräche, für die im Square keine Zeit ist, kurzweiliger. Dabei ist es für mich durchaus auch in Ordnung, wenn sich weiter vorne mal eine einzelne Person noch zu ihrer Gruppe dazu stellt. Was für mich nicht in Ordnung ist, dass ein paar Meter vor uns zunächst nur einer wartet und daraus nach und nach scheinbar unauffällig eine Gruppe von über zwölf Personen wird. Kaffee und Kuchen schmecken dennoch gut.

Wir haben am Nachmittag noch eine Weile getanzt und uns dann eine längere Pause zum Duschen und Umziehen gegönnt. Dadurch verpassen wir zwar ein paar Tips, darunter auch mindestens einen Caller „from the floor“, nämlich Hans Kabierske, den anderen Club-Caller der Pader Jumpers, sind aber wieder frisch fürs Abendprogramm.

20:00 Uhr

Auch die Halle hat sich fein gemacht. Die Trennwand ist verschwunden. Die Banner, die an einer Wand in mehreren Reihen übereinander hängen, die Fahnen der teilnehmenden Länder, die Theke und die Tischreihen erinnern an ein Festzelt. Es gibt die üblichen Ansagen, hier allerdings mit beeindruckenden Zahlen: 585 Gäste aus 59 Clubs und 7 Ländern, wenn ich alles richtig mitbekommen habe, sowie eine besondere Ehrung für Thorsten Geppert und sein langjähriges Callen.

Jeder Tänzer konnte im Laufe des Tages seinen persönlichen Höchst-Level tanzen, und nun genießen alle ganz entspannt den von drei Callern im Wechsel präsentierten Mainstream. Das gestern bereits durchgesickerte „zack bumm“ bei Erreichen der Home Position wird von den Callern fast schon erwartet, und auch das heute Nachmittag eingeführte besonders elegante Stefan-Förster-Slide-Thru sieht man immer noch mal. Thorsten Geppert lässt auf vielfachen Wunsch sein „little orchestra“ hinter dem Vorhang noch eine Vorstellung geben, und zum Ende des Abends stehen alle drei Caller gemeinsam auf der Bühne und haben mit ihrer Show mindestens soviel Spaß wie die Tänzer.

22:00 Uhr

Ach ja, Afterparty gab’s auch, angeblich bis vier Uhr morgens. Wo nehmen die Leute bloß die Energie her?

Sonntag, 10.10.

10:00 Uhr

Bei strahlendem Sonnenschein geht es am anderen Morgen in der lichtdurchfluteten Halle wieder los. Die Kleiderordnung, obwohl laut Flyer „Square Dance Kleidung bei allen Tanzsessions, bitte“ gewünscht war, ist deutlich gelockert. Die einen sind noch nicht ganz mit Anziehen fertig und knöpfen das Hemd noch beim circle left zu oder tanzen mit Trainingsjacke zum Petticoat, die anderen sind eigentlich schon für den Heimweg umgezogen und tanzen in Straßenbekleidung und Strümpfen noch einen letzten Tip und noch einen und noch einen ...

Es geht familiär zu. In den drei Tagen ist man sich näher gekommen, hat alte Bekanntschaften aufgefrischt und neue gemacht, miteinander getanzt, gelacht, gegessen. Der Rest des Kuchens von gestern wird kostenlos zum Kaffee ausgegeben. Man ist zufrieden und glücklich, dass alles – mal wieder – so gut gelaufen ist, und verabredet sich zum nächsten Pader Rodeo: 2011 findet es vom 7. bis 9. Oktober statt, und neben Thorsten Geppert werden Paul Bristow (ja, das ist der vom DoSiDome) und Jet Roberts (kennt den schon jemand?) callen.

13:00 Uhr

Das Pader Rodeo war sein Geld (18,00 € für das gesamte Wochenende) absolut wert.

Jetzt bin ich es, der nach Hause fährt und anderen berichten kann: „Das Pader Rodeo ist toll, ein wirklich einmaliges Erlebnis, da müsst ihr unbedingt mal hinfahren!“

Der offizielle Teil endet mit einem letzten und einem allerletzten Tip und einem hallengroßen Big Circle, in dem die drei Caller mit einer letzten Runde verdienten Applauses bedacht werden. Das große Verabschieden beginnt, und wir machen uns auch auf den Heimweg.

16:00 Uhr

We’re home
ZACK BUMM!

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