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European Association
of American Square Dancing Clubs e.V.

 
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EAASDC-Bulletin November 2011

Square Dance Geschichte

  

Geschichte und Erbe von Modern American Square Dancing
Kenny Reese 

Dieser Artikel ist ein Nachdruck aus dem Bulletin 1995/96 und nicht in unserem Archiv auf der EAASDC Webseite verfügbar. Auch mit dem Neuabdruck dieses Artikels möchten wir den Einsatz von Kenny für unsere Gemeinschaft würdigen. [Editor]

Hintergrund

Möglicherweise begann das Tanzen als Imitation, die frühen Menschen haben einige der Ritual-Tänze der Tiere nachgemacht. Historisch gesehen hatte das Tanzen seinen Tiefpunkt im alten Griechenland. Dort galt es als unfeine Betätigung. Aristoteles soll gesagt haben: "Kein Bürger sollte sich auf diesen Gebieten betätigen (Musik u. Tanz), sondern dies den Sklaven, Freigelassenen und Fremden überlassen". Der große Römer Cicero sagte: "Keiner tanzt, es sei denn er ist betrunken oder geistig verwirrt". Im 15. Jahrhundert kam das Tanzen in Italien wieder in Mode, dennoch gilt Frankreich als Mutterland dieser Kunst. Viele Tanzbezeichnungen weisen auf die französischen Verbindungen hin, z.B. der Call dos-a-dos, was so viel wie Rücken-an-Rücken bedeutet.

Evolution

Englisches Erbe
Ohne Frage ist der Morris Dance der englische Vorfahr unseres modernen Square Dance. Dies war ein Schautanz, der von den Morris-Tänzern vorgeführt wurde, 6 Männer (Frauen nahmen nicht teil), die in 3er Reihen Aufstellung nahmen. Später, im 17. Jahrhundert, begeisterte man sich in England für Volkstänze. Viele glauben, dass der Name Contra durch die falsche Aussprache von "Country" entstanden ist, da es in dieser Zeit viele Linie- und Reihentänze gab, möglicherweise sei der Name auch aus der Tatsache entstanden, dass die Tänzer sich in Reihen gegenüber (Kontra) stehen. Gleichzeitig wurden auch Rundtänze getanzt, die den Chortänzen ähnelten, die in englischen Kirsouthchen getanzt wurden.

Französische Entwicklung

Die Franzosen übernahmen und modifizierten die englischen Volkstänze und nannten sie "Contredanse Anglaise". Von ihnen kommt auch die Quadrille (eine Bezeichnung die ursprünglich zu einem Kartenspiel gehörte). Diese Quadrille wird von vielen als der "Großvater" unseres modernen Square Dance angesehen. Wie auch immer, die Geschichte zeigt, dass "Dull Sir John" und "Faine I Would" in England schon vor mehr als 300 Jahren populär waren. Die Franzosen entwickelten den französischen Contredanse oder Cotilion, einen Tanz, der in Square Formation mit 8 Tänzern getanzt wurde.

Die Frühen Tanzmeister

Ein entscheidendes Bindeglied zu dieser Vergangenheit sind die Tanzmeister, die mit den ersten Siedlern in die "Neue Welt" - Amerika- kamen und die Tänze ihrer Heimatländer mitbrachten. Eine der ersten Aufzeichnungen (und es gibt nicht viele) dieser Tänze ist in den Werken von John Playford, 1623 – 1686, einem Musiker und Tanzmeister, enthalten. Sein Buch "Der Englische Tanzmeister - Einfache und leichte Regeln für Volkstänze - Mit den Melodien zu jedem Tanz" wurde in 18 Auflagen zwischen 1650 und 1728 publiziert und enthielt 918 Tänze. Zwischenzeitlich rückte der Paartanz in den Vordergrund. Die Franzosen hatten Rundtänze, Branle genannt, und es gab die Gavotte und Menuetts. Der gewagteste aller Tänze, der Walzer, verursachte bei seiner Einführung einen Auffuhr - erlaubte er doch dem Herren, seine Partnerin während des Tanzens eng im Arm zu halten. Die Tanzhaltung, die wir heute als "closed position" kennen, war jahrelang als "Walzerposition" bekannt.

Frühe Amerikanische Formen

Als die Pioniere westwärts zogen, kamen auch die Tänze mit. Manche Tänze gingen verloren oder wurden vergessen, viele jedoch wurden bewahrt, speziell in den südlichen Appalachen. Das "Running Set" etablierte sich als eine der Grundlagen unseres modernen Square Dance. Dieses "Running Set" hatte einen Caller - Amerikas einziger Beitrag zum Square Dance. Anfang des 20. Jahrhunderts erlitt das Tanzen einen großen Rückschlag. Quadrillen und Kontras gingen unter. Man tanzte Two-Step auf Walzer und vergaß die Polka und den Schottisch (Rheinländer). Eine Rowdy-Tanzform, "Barn Dance" genannt, gewann die Oberhand und die Square Dancer hatten lange zu kämpfen, bis sie darüber hinweg kamen. Ein großer Industrieller und der Leiter einen kleinen Schule in Colorado waren nötig, um diese große amerikanische Volksbewegung aus der Flaute heraus zu bringen.

Henry Ford

Mr. Henry Ford verbrachte seinen Urlaub gewöhnlich im Wayside Inn in Sudbury, Massachusetts. Dort weckte das Tanzprogramm des Tanzmeister Benjamin Lovett sein Interesse. Es enthielt die Gavotte, Mazurkas, Schottische, das Menuett, Virginia Reel und andere Square und Round Dances. Mr. Ford versuchte, Mr. Lovett einzustellen, dieser lehnte jedoch ab da er einen Vertrag mit dem Inn hatte. Kein Problem für den Multimillionär Ford, er kaufte kurzerhand das Inn, mitsamt des Vertrages und nahm Mr. Lovett mit zurück nach Detroit. Mr. Ford ermöglichte ein breites Programm zum Lernen von Square und Round Dances im Gebiet von Detroit, dazu gehörten auch Radiosendungen und Lehrprogramme für Schulen. Er baute eine wunderschöne Tanzhalle in Greenfield Village und nannte sie Lovett-Hall. Sie wird bis heute benutzt. 1926 veröffentlichten Mr. Ford und Mr. Lovett ein Buch mit Anregungen und Material für alle, die solche Unterstützung suchten. Der Titel des Buches war "Good Morning". Einer, der sich auf dieses Buch stürzte und es verschlang war ein junger Schulleiter in Colorado Springs, Colorado, namens Lloyd Shaw.

Lloyd "Pappy" Shaw

Lloyd "Pappy" Shaw fand heraus, das Fords Buch nur einen Bruchteil der Informationen über amerikanischen Tanz enthielt, der Rest davon spielte sich direkt vor seinen  Augen ab, in den Kleinstädten, Farm- und Minengebieten "seines" Westens. Gewissenhaft begann er die "Alten" zu befragen, Tanze und Musik zu sammeln, Nachforschungen anzustellen. 1939 veröffentlichte er das erste umfassende Werk über Western Square Dance - "Cowboy Dances". Später brachte er noch ein Round Dance Buch heraus. In seiner Cheyenne Mountain Schule bildete er Teams von Tänzern aus und sie hatten überall im Land Auftritte und Lehrgange. Im Sommer veranstaltete er Lehrgange für neue Tanzleiter - und Western Square Dance begann sich wie ein Buschfeuer auszubreiten. Niemand fragte in diesen Tagen nach Rounds. Man hielt es für selbstverständlich, dass die Varsouvianna, die Schottische, der Black Hawk Waltz und vielleicht der Blue Pacific Waltz getanzt wurden. Die neu dazu gekommenen Tänzer hörten hier und da einige Cues, aber es gab keine Cuer. Die Tänzer konnten diese Tänze auswendig, genau wie die Calls vieler Square Dances, z.B. Birdie in The Cage, Lady Round The Lady und Dive For The Oyster.

Moderner Square Dance

Veränderung der Choreographie

Der Übergang von der traditionellen Art des Square Dance, mit einzelnen Aktivpaaren, zu der Art, bei der alle 4 Paare aktiv sind, begann in den späten 40er und frühen 50er Jahren. Einer der ersten, der auf diese Weise arbeitete, war Ed Gilmore, der weit herumkam und mit die ersten Schulungsprogramme für Caller durchführte. Die Caller entdeckten, dass sie alle Tänzer gleichzeitig in Bewegung halten konnten, und somit das Ganze interessanter wurde.

Elektronik und Schallplatten

Zwischenzeitlich kam die Unterstützung durch Verstärkeranlagen hinzu und erlaubte dem Caller, auch größere Tänzergruppen zu dirigieren. Es war nicht mehr nötig zu schreien, ein Megaphon zu benutzen oder in jedem Square einen Caller zu haben. Die Anlagen machten es möglich, den Caller so gut zu verstehen, dass die Calls sofort ausgeführt werden konnten. So war es nicht mehr  nötig, dass man die Tanzfolge bestimmter Tanze auswendig konnte, wie es beim traditionellen Tanzen üblich war. Square Dance Schallplatten, vor allem die leicht zu handhabende 45 UpM Scheibe, machten Live-Musik mit allen dazugehörenden Problemen überflüssig und ermöglichten mehr Musikvielfalt und Flexibilität. Den Plattenfirmen, die zuerst die 10" und 12" Platten mit 78 UpM herausbrachten und später eine große Auswahl guter Square Dance Musik auf den sehr viel leichter zu handhabenden 7" Platten mit 45 UpM, verdankt der moderne Square Dance viel. Einige der Pioniere gibt es seit den 50er Jahren. Darunter sind Sets in Order, Mac Gregor und Blue Star. Dutzende andere kamen dazu - ohne sie hätte sich der moderne Square Dance niemals weltweit verbreiten können.

Neue Calls


Während sich neue Calls zunächst langsam verbreiteten, entwickelte sich in den späten 50er Jahren eine wahre Flut davon. Square Thru (das schon seit einigen Jahrhunderten namenlos in Kontras getanzt wurde) bekam einen Namen und wurde 1957 vorgestellt. Andere neue Figuren wurden geschaffen und benannt, der Charakter des Square Dance veränderte sich. Bald wurden 16 Calls in Classes unterrichtet, dann 20, dann 32 und dann ... den Rest der Geschichte kennst Du.

Neue Call Programme

In den frühen 60er Jahren begann Les Gotcher, ein Caller, der weit herumkam, eine neue Technik zu benutzen, die sich weit verbreitete. Bei der scheinbar endlosen Flut neuer Calls fanden die Caller heraus, dass Erfahrungsunterschiede der Tänzer dadurch ausgeglichen werden konnten, dass neue Calls während der verschiedenen Tips bei Veranstaltungen gelehrt wurden. Dadurch dass die Calls dann für alle neu waren. hatten auch die nicht so erfahrenen Tänzer die Chance, sie erfolgreich auszuführen.

Die Standard Listen 

Manchmal waren die Tänzer frustriert, da dancdas Lernen neuer Calls niemals endete. Man versuchte. eine Standard Liste zu erstellen. Die nationale Zeitschrift, Sets in Order, tat dies zusammen mit einem Golden Ribbon Committee - sie erstellten eine Liste mit 50 Calls, die jeder kennen sollte. Bald zeigte sich, dass einige neue Calls, die nicht auf der Liste mit den 50 Basics standen, große Akzeptanz fanden, also wurde eine zusätzliche Liste mit 25 Calls erstellt. Man hoffte damit ein stabiles, gleichbleibendes Gerüst mit Calls zu schaffen, das als Einstiegsmöglichkeit für neue Tänzer gedacht war - die Entwicklung des Square Dance stand jedoch nicht still. Caller und Tänzer fanden immer wieder Gefallen an neuen Calls, die man dann nicht aus der Standard Liste herauslassen konnte.

CALLERLAB

1974 hielt eine Organisation namens CALLERLAB, die International Association of Square Dance Callers, ihre erste Convention ab. Seitdem findet sie jährlich statt. Die Hauptaufgabe von CALLERLAB ist es, gute Bedingungen für Square Dance zu schaffen, sich um Timing und Styling zu kümmern und nach Wegen zu suchen, die das Wachstum der Square Dance Bewegung sichern sollen. In den Jahren nach der ersten Convention wurde viel erreicht, eine eher unerwartete Aufgabe für diese neue Organisation war es, Ordnung in das Chaos der neuen Calls zu bringen. Man erstellte die Programme - Mainstream, Plus, Advanced -, die weitgehend von den Tänzern akzeptiert wurden, da sie nun nicht mehr bei jeder Veranstaltung neue Calls zu lernen brauchten. Die Calls wurden mit Timing und Styling definiert und weltweit übernommen. CALLERLAB etablierte auch die CALLERLAB FOUNDATION, eine uneigennützige Einrichtung, deren Aufgabe es ist, durch die Erstellung geeigneten Werbematerials neue Square Dance Students zu gewinnen und so zur Erhaltung und Verbreitung des Square Dance beizutragen. Außerdem erstellt CALLERLAB Lehrmaterial, sowohl zur Tänzer- als auch zur Callerausbildung.

Zusammenfassung

Geschichte der neuen Welt nach Amerika. Die Bevölkerung nahm den Square Dance in seinen verschiedenen Formen mit nach Westen. Der einzige amerikanische Beitrag bei dieser Entwicklung war der Caller, manchmal auch Prompter genannt, er half den Tänzern mit Ansagen, sich an Tanzfolgen zu erinnern, die sie bereits gelernt hatten. Moderner Square Dance begann mit der Verbreitung von elektronischen Anlagen, die es ermöglichten, zu Schallplattenmusik wechselnde Tanzfolgen zu schaffen. In den folgenden 20 Jahren entstanden Hunderte von neuen Calls. Mitte der 70er Jahre brachte die neue Organisation, CALLERLAB, Ordnung in das entstandene Chaos, in dem sie die Standardprogramme Mainstream, Plus, usw. - erstellte. CALLERLAB liefert auch die Definitionen der Calls bezüglich Timing und Styling.

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