Die Entwicklung des Caller-Dachverbandes
Um die Anfänge des internationalen Caller-Dachverbandes zu
verfolgen, müssen wir zurück zu den Anfängen des zeitgenössischen Western
Square Dancing. Die Square Dance Geschichte wäre nichts ohne die Namen der Vorkriegspioniere,
die alle erfahrene Caller waren. Wenige, wenn überhaupt, hätte man als
"Führernatur" bezeichnen können. Es gibt jedoch eine Ausnahme - ein Mann, der
aussergewöhnlich war. Er war eine Führernatur.
Dieser Mann war Dr. Lloyd Shaw. In den 1930ern erforschte er den
Western Square Dance und führte seine High School Studenten und andere seiner Gemeinde in die
Geheimnisse des Square Dance ein. Einen ersten grösseren Bekanntheitsgrad erreichte er Mitte
der 30er durch die Veröffentlichung seines Buches "Cowboy Dances" und durch eine
Tournee seiner Cheyenne Mountain Dancers. All dies entzündete einige Jahre bevor Amerika in
den 2. Weltkrieg eintrat, ein kleines Feuer, das Square Dance zu einer wesentlich grösseren
Verbreitung hätte führen können. Shaw's Einstellung und Methoden machten Square
Dance für jedermann zugänglich.
Aufgrund dieser Tatsache war Square Dance in den ländlichen
Gemeinden Amerikas nur ein gelegentliches Vergnügen. Während es nur einige umherreisende
Caller gab, die ein ganzes Abendprogramm bestreiten konnten, wurden zum grössten Teil Personen
als Caller eingesetzt, die nur ein oder zwei Calls kannten. Bücher mit Calls gab es nur
wenige, Bücher mit einer Anleitung wie gecallt werden sollte, weniger als eine Handvoll.
Verglichen mit heutigem Square Dance waren die damaligen Tänze unkompliziert und, da ohne
Verstärkeranlagen, auch die Calls einfach.
Shaw's frühe Tourneen und sein Buch erweckten bei Schullehrern
und anderen ein grosses Interesse. Es dauerte nicht lange, bis er gebeten wurde Tanz- und
Callerkurse abzuhalten. Die ersten Kure begannen ein oder zwei Jahre vor dem Krieg, während
dessen sie ausgesetzt werden mussten. 1946 begann er wieder Kurse abzuhalten und ein Jahr
später startete er erneut seine Tourneen. Der Square Dance war nicht mehr aufzuhalten. Die
Anfragen für seine eine Woche dauernden Caller-Kurse waren überwältigend.
Was Shaw unterrichtete, ging viel weiter als nur einfaches Callen.
Unter anderem lernten seine "Studenten" den Umgang mit Menschen, wie man selbst ein
Caller-Leader wird und wie man die gesunden Qualitäten des Square Dance erhalten und
schützen konnte. Bis Mitte der 50er hielt Shaw zweimal im Jahr Caller-Kurse ab. Nach dem Ende
jedes Kurses kehrten die Studenten in ihre Heimatstädte zurück, veranstalteten Tanzkurse,
wurden selbst zu Leadern und begannen bald mit der Ausbildung anderer Caller, so gut wie sie es
konnten und so gut wie sie es gelernt hatten. Zuerst bildeten nur die von Shaw selbst ausgebildeten
Caller neue Caller aus.
Mit dem ständigen Wachstum der Square Dance Gemeinde wuchsen
auch die regionalen Tanzrichtlinien mit eigenen Sitten und Gebräuchen. Nach einiger Zeit
konnte das von Lloyd Shaw ins Leben gerufene Square Dance Magazin Sets In Order Ordnung in
die regionalen Richtlinien bringen. Das Magazin verbreitete viel von Shaw's Methoden, enthielt
Artikel besonders angesehener Caller, sammelte die einfachen Square Dance Figuren aus allen
Landesteilen und kombinierte diese und deren Styling zu einer allgemein gültigen Liste von
Tanzfiguren.
Mit diesem Grundgerüst gingen einzelne Caller und Regionen
ihren eigenen Weg. Es entstand aber, zum Wohle des Square Dance, ein immer grösser werdender
Bedarf für eine engere Zusammenarbeit der Caller. Seit den 50ern wurde die Notwendigkeit eines
geschlossenen Dachverbandes der Caller immer grösser. Im August 1960 traf sich in Glenwood
Springs, Colorado, ein Gruppe von angesehenen Callern, um nach einer Lösung für die
eskalierende Notwendigkeit einer einheitlichen Terminologie und eines einheitlichen Stylings zu
suchen. Es sollte auch einheitliche Sitten und Gebräuche für Caller (Code of Ethics)
aufgestellt und die Führung der Square Dance Caller übernommen werden. Ed Gilmore, Bruce
Johnson, Jim Brooks, Don Armstrong, Frank Lane, Bob Osgood und ihre Frauen tagten mehrere Tage zu
diesen Themen.
Im Juli 1964 lud das SQUARE DANCE Magazine (das frühere
Sets In Order) in Zusammenarbeit mit einigen südkalifornischen Callern (Ed Gilmore, Lee
Helsel, Bruce Johnson, Arnie Kronenberger, Bob Osgood, Bob Page, Bob Ruff und Bob VanAntwerp) und
in Verbindung mit einer Unterabteilung der "University of California" zu einer
zweitägigen Caller-Tagung auf dem Universitätsgelände ein. Bei dieser Veranstaltung
trafen sich Caller aus ganz Nordamerika. Aufgrund des überwältigenden Erfolges dieser
Veranstaltung wurde für das folgende Jahr eine zweite Tagung vereinbart.
Der Start von CALLERLAB
Im Jahre 1961 rief Sets In Order die Square Dance Hall of
Fame ins Leben um damit Caller zu ehren, die sich besonders um den Square Dance verdient
gemacht hatten. In den folgenden 10 Jahren wurden viele aussergewöhnliche Caller in der Hall
of Fame aufgenommen. Jeder, der sich diese Namen betrachtet, erkennt in ihnen die grundlegende
Zusammensetzung der Square Dance Führung der damaligen Zeit. Jeder einzelne dieser Männer
allein hätte wahrscheinlich nicht den Respekt aller Caller erhalten, aber in der
Zusammenarbeit aller Hall of Famer stellten sie all das Wissen und Erfahrung dar, das ein Grossteil
der Caller respektieren und dem sie folgen konnten. Das Hintergrundwissen und die Ausbildung der
Hall of Famer stellten einen eindrucksvollen Grundstock für die Leitung der Square Dance
Caller dar.
"Wissen und Erfahrung" sind die Basis eines jeden Berufes.
Sie müssen eindeutig zum Umfeld passen und sind der Grundstock auf dem ein Beruf gebildet
werden kann. "Fundiertes Wissen und Erfahrung" unterscheidet einen Beruf vom anderen und
daher eine Tätigkeit von der anderen.
1970 schmiedeten Lee Helsel, Arnie Kronenberger, Bob Osgood und Bob
VanAntwerp Pläne für ein Treffen aller Mitglieder der Hall of Fame. Zusammenfassungen der
letzten Tagungen und Treffen wurden gesichtet und nach einer längeren Vorbereitungszeit wurden
acht Hauptdiskussionspunkte zusammengestellt, die als Basis für eine mögliche
Neuorganisation dienen konnten. Dies waren die acht Punkte:
- Lasst uns den Tanz in den Square Dance zurückbringen.
- Eine von allen akzeptable Standarisierung ist für die
Fortführung und das Wachstum des Square Dance lebensnotwendig.
- Die Ausbildung der Führungsqualitäten von
Caller-Lehrern liegt in der Verantwortung der Caller und Lehrer.
- Professionelle Standards für Caller und Lehrer müssen
eingeführt und unterhalten werden.
- Der heutige Square Dance muss einer Neubewertung unterzogen
werden.
- Die Verbindung der unterschiedlichen Spielarten des Square
Dancing (Squares, Rounds, Circle Mixers, Quadrilles, Contras und verwandte Formen) sollte
gefördert werden.
- Die selbstsüchtige Ausnutzung des Square Dance sollte
energisch unterbunden werden.
- Ein Dachverband der unterschiedlichen Tanzführergruppen
könnte ein Problem für die zukünftige Entwicklung des Square Dance darstellen.
Einladungen für ein Treffen im Februar 1971 wurden an 15
Mitglieder der Hall of Fame verschickt, als Gäste der Sets In Order American Square Dance
Society, um am Honors Banquet teilzunehmen und den State of the Square Dance
Nation zu diskutieren.
Von den Eingeladenen konnten elf teilnehmen: Marshall Flippo, Ed
Gilmore, Lee Helsel, Bruce Johnson, Arnie Kronenberger, Frank Lane, Joe Lewis, Bob Osgood, Bob
Page, Dave Taylor and Bob VanAntwerp. Zum Abschluss des Treffens, das in den Asilomar Conference
Grounds in Kalifornien abgehalten wurde, unterzeichneten alle Teilnehmer einstimmig und voller
Begeisterung die acht Punkte der Gründungsurkunde. Es konnte die Zukunft geplant werden.
Wachstum der "Organisation" war einer der grundlegenden
Gedanken. Jeder, der von den derzeitigen Mitgliedern als ein neues Mitglied ausgewählt wurde,
erhielt eine persönliche Einladung, um an einem der nächsten Treffen teilzunehmen. Nach
der Teilnahme an diesem Treffen wurde er als Mitglied aufgenommen.
Das war der Beginn von CALLERLAB.
Im Juli des gleichen Jahres wurde ein zweites Treffen abgehalten.
Mit Don Armstrong und Earl Johnston als neue Mitglieder wuchs die Mitgliederzahl auf dreizehn.
Im Februar 1972 wurde das dritte Treffen abgehalten, mit Jerry Haag, Jerry
Helt und Jim Mayo als neue Mitglieder. Das vierte der Asilomar-Treffen fand im Juli 1972 statt, mit
Al Brundage und Manning Smith als neue Mitglieder. Die Mitgliederzahl wuchs somit auf achtzehn. Bei
diesem Treffen wurde, unter Beibehaltung der persönlichen Einladungen für eine
Mitgliedschaft, einer generellen Vergrösserung der Gruppe zugestimmt. Das Treffen im Februar
1973 sah sieben neue Mitglieder: Stan Burdick, Cal Golden, C.O. Guest, Jack Lasry, Johnny LeClair,
Melton Luttrell und Bill Peters. Dieses Treffen endete mit Plänen für eine
CALLERLAB Konferenz in 1974.
Bis dahin wuchs die Anzahl der "Gründungsmitglieder"
auf 25 an, die den Vorstand von CALLERLAB bildeten. Jim Mayo wurde zum ersten Vorsitzenden der
neuen Vereinigung gewählt.
Während dieser Gründungsjahre gab sich die Gruppe den
Namen CALLERLAB -- the International Association of Square Dance Callers und rief als
offizielles Nachrichtenmagazin DIRECTION ins Leben. In den Anfangsjahren übte CALLERLAB
seine Geschäfte unter dem Dach der "Sets In Order American Square Dance Society"
aus, wobei SIOASDS kostenlos Räume und Personal zur Verfügung stellte.
Die Entstehungsgeschichte von CALLERLAB wäre ohne Hinweis auf
Bob Osgood's Schlüsselrolle und aufopfernde Tätigkeit unvollständig. Seine Stellung
als Herausgeber des Sets in Order (SQUARE DANCE) Magazins und sein breiter Kontakt zu Callern,
Lehrern und Führern der Square Dance Szene, gepaart mit seinem starken, begeisternden
Führungsstil, machten ihn zur treibenden Kraft in der Gründung von CALLERLAB. Ohne Bob
gäbe es heute wahrscheinlich kein CALLERLAB.
Seit der ersten Konferenz 1974 wird jährlich im April eine neue
Konferenz einberufen. Die Hauptaufgabe von CALLERLAB ist es gute Bedingungen für den Square
Dance zu schaffen, sich um Timing und Styling zu kümmern und nach Wegen zu suchen, die das
Wachstum der Square Dance Bewegung sichern sollen. In den Jahren nach der ersten Konferenz wurde
viel erreicht.
Eine eher unerwartete Aufgabe für diese neue Organisation war
es Ordnung in das Chaos der neuen Calls zu bringen. Man erstellte die Programme Mainstream, Plus
und Advanced, die weitestgehend von den Tänzern akzeptiert wurden, da sie nun nicht mehr bei
jeder Veranstaltung neue Calls zu lernen brauchten. Die Calls wurden mit Timing und Styling
definiert und weltweit übernommen.
CALLERLAB etablierte auch die CALLERLAB FOUNDATION, eine
uneigennützige Einrichtung deren Aufgabe es ist, durch die Erstellung geeigneten
Werbematerials neue Square Dance Students zu gewinnen und so zur Erhaltung und Verbreitung des
Square Dance beizutragen. Ausserdem erstellt CALLERLAB Lehrmaterial, sowohl zur Tänzer- als
auch zur Callerausbildung.
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