Nachdruck aus USDA News, Okt./Dez. 1993
Recherche und Text von Cathy Burdick und Becky Osgood
Wie kamen wir dahin, wo wir heute sind?
Die alte Square Dance Kleidung der Gegenwart lässt sich in
ihrer Geschichte bis in die eleganten Ballsäle Frankreichs und die prächtigen Herrensitze
Englands zurückverfolgen, in Länder also, in denen Menuett, Polka, Walzer und Quadrille
getanzt wurde.
Mit den Auswanderern kamen auch ihre Bräuche, Kleidung und
Tänze nach Amerika. So wurden die prachtvollen Frauenkleider aus Damast, Taft, Seide oder
feinem Musselin hergestellt. Um die Weite der Röcke zu erzielen zog man darunter
Reifröcke an. Frisuren waren oft hoch und gepudert. In dieser Zeit war alles prächtig,
die Musik, die Tänze, wie auch die Kleidung.
Wir überspringen jetzt 100 Jahre, der Aufbruch in den Westen
hat begonnen. Die Tage sind lang und für Männer und Frauen gleichermassen beschwerlich.
Gemeinsam wird das Land besiedelt, auf den Feldern gearbeitet und das Vieh gehütet. Zur
Herstellung von Leinen bauen die Frauen ihren eigenen Flachs an, spinnen Garn aus der Wolle ihrer
Schafe, weben ihre eigenen Stoffe und färben diese mit Farbstoffen aus Wurzeln und Beeren.
Für Fröhlichkeit bleibt nicht viel Zeit übrig, so dass jede Gelegenheit zur
Geselligkeit genutzt wird. Richtfeste beim Scheunenbau, Hochzeiten, sowie Feiertage sind die besten
Gelegenheiten für solche geselligen Zusammenkünfte. Dabei kommen die Leute oft meilenweit
aus dem Umkreis, um ihre Nachbarn zu sehen, Neuigkeiten auszutauschen und um die Nacht
durchzutanzen. Getanzt wird in Küchen, Scheunen, im Freien, sogar in den Saloons. Die Kleider
der Frauen sind bodenlang. Darunter werden gestärkte Petticoats und knöchellange,
spitzenbesetzte Unterhosen getragen. Derartige Kleidung erlaubt freie und ausschweifende Bewegungen
bei den Square-, Round- und Paartänzen.
Ein weiterer Sprung vorwärts bringt uns ins 20. Jahrhundert,
genauer gesagt in die 20-iger Jahre, als Henry Ford den frühen amerikanischen Square Dance in
der Lovett Hall in Detroit / Michigan unterstützt und fördert. Die Lovett Hall ist mit
Teakholzboden ausgestattet und prächtige Kristallkronleuchter hängen von der Decke. An
jeder Seite des Ballsaales stehen schlichte, schmucklose Stühle. Es gibt einen Tanzmeister,
der mit Unterstützung eines Orchesters die Tänze des Abends (Walzer, Two-Steps,
frühe Squares und Kontras) vorgibt und unterrichtet. Kleidungsvorschriften verlangen von den
Damen zunächst lange Kleider und weisse Handschuhe.
Nach dem 2. Weltkrieg gewinnt der Square Dance weiter an Bedeutung.
So erinnern sich die Damen bei der Auswahl ihrer Kleidung an die bodenlangen Kleider der
früheren Jahre. Zunächst sind diese gerade geschnitten und werden ohne Petticoat
getragen. Bald darauf enden die Säume knapp über den Fussgelenken. Gestärkte
Petticoats und knöchellange, spitzenbesetzte Beinkleider kommen hinzu. Es wird Baumwolle
verwendet und das wiederum bedeutet stundenlanges Bügeln, nicht nur für das Kleid,
sondern auch für den Petticoat.
Anfang der 50-iger "entdeckt" man die sogenannten
Squaw-Kleider. Einige der neueren Baumwollmaterialien konnte man waschen, nass
zusammendrücken, durch eine Röhre oder einen Strumpf ziehen oder in Abständen
zusammenbinden. Getrocknet sieht ein drei- oder vierstufiger Rock dann plissiert aus, ähnlich
denen der Indianerfrauen. Zum Schmuck der Röcke werden viele Meter Zick-Zack-Band verarbeitet,
so dass die Kleider vier oder fünf Kilo wogen. Stellt Euch vor, die ganze Nacht in einem vier
oder fünf Kilo schweren Kleid zu tanzen. Aerobic-Übungen sind nichts dagegen! Manch eine
Dame erinnert sich vielleicht daran wie es war, einen dieser Röcke wieder in Falten zu legen,
entweder per Hand oder mit Wäscheklammern, vielleicht sogar mit einem Apparat, bei dem der
Stoff von vorne und hinten um Metallstäbe gelegt wurde.
Der Saum beim Square Dance ist auf Fussknöchel- oder
Wadenlänge hochgerutscht und aus den knöchellangen Beinkleidern werden kniebedeckende
Schlüpfer. Gegen Ende der 50-iger Jahre gibt es entsprechend bearbeitetes Baumwollmaterial,
das man vorsichtig waschen und nach dem Trocknen ohne bügeln wieder tragen konnte.
In den 60-igern kommen Kunstfasern auf: Nylontüll, Dralon,
Polyester, sowie neue Mischgewebe die nicht gebügelt werden mussten. Die Zeit des tropfnassen
Aufhängens war in vollem Gange, auch für Petticoats. Für diese wird lagenweise
Nylontüll verwendet, wodurch die Kleider ihre schöne weite Form erhalten. Der Saum
rutscht jetzt nach oben und es gibt Höschen, die vollständig mit Spitzenreihen besetzt
sind. Das Pattipant ist geboren. Im Übrigen ist es eine persönliche Entscheidung der
jeweiligen Dame, in welcher Beinlänge sie das Höschen am Schenkel tragen wollte.
Mit den 70-igern kommen die Bordürenstoffe. Diese Drucke werden
nicht nur zur Verzierung am Rocksaum genutzt, vielmehr konnte man die Muster am Oberteil und
Ärmel einarbeiten. Die Rocklänge wird kürzer und jede Dame bestimmte die
gewünschte Länge selbst. Auch werden die Petticoats voller und mit dem höher
rutschenden Saum sieht das Ganze zunehmend mehr nach dem Tu-Tu einer Ballerina aus. Viele junge
Mädchen und Vorführgruppen behielten diesen Tu-Tu-Look bei.
In den 80-igern kehrt man zu verspielterer Kleidung zurück. Die
meisten Kleiderschnitte bevorzugen Reihen von Rüschen, Spitzen und Bändern, bei sehr
weiten Röcken und Petticoats. Die Farben sind leuchtend und fallen ins Auge.
Bordürendrucke sind nach wie vor stark gefragt. Viele Frauen tragen jetzt Kleider, Petticoats
und Pettipants in aufeinander abgestimmten Farben. Die Länge des Kleides oder Rockes und der
Pettipants bleiben dem guten Geschmack der jeweiligen Dame überlassen und reichen von knielang
bis sehr kurz. Dank sich ständig weiterentwickelnder technischer Möglichkeiten
hinsichtlich der Materialien sind diese meist formstabil oder können tropfnass aufgehängt
werden. Ein Aufbügeln ist kaum, wenn überhaupt, erforderlich.
Moderne Square Dance Kleidung hat nichts mehr mit
"Authentischer Planwagen-Mode" zu tun. Männer tragen gut sitzende Westernhemden,
Westernhosen oder Jeans, sowie Stiefel oder bequeme Schuhe. Frauen können in ihrer Kleidung
jede gewünschte Individualität zeigen und ihrer Phantasie dabei freien Lauf lassen.
Ärmel, Ausschnitte, Röcke und Rocklängen, Applikationen, Farben, Kombinationen,
...... es gibt keine Grenzen! So haben wir heute z.B. auch bei Western Kleidung die Auswahl aus
Jeansstoff, Prärieröcken, Gürteln und Zubehör zum Austauschen, Zusammenstellen
und Kombinieren unserer Ausstattung. Es gibt Tanzschuhe in vielen verschiedenen Arten,
Absatzhöhen und Farben.
Ihr habt die Wahl! Denkt aber bitte bei Kleidung, Rocklängen
und Ausschnitten immer an den guten Geschmack. Ausschlaggebend dabei ist, dass es der Trägerin
steht und dem Betrachter gefällt.
Wir können bei unserer Square Dance Kleidung auf ein
wundervolles Erbe zurückblicken. Was wird uns wohl die Zukunft bringen?
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