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EAASDC-Bulletin März 2011

Tanzausbildung

Wie gut ist gut

Barry Clasper
Originally printed in (aus) Zip Coder Magazine, April 1989

Der folgende Text darf auch gesehen werden als Ergänzung zu dem Beitrag „Gut genug für das nächste Level“ im Bulletin November 2010 S. 55 und auch zu einem anderen Artikel zu Bill Heimann im Bulletin Mai 2010, S. 73 „Wie wird man ein guter Tänzer“.

In einem kürzlich veröffentlichten Artikel hat Bill Heimann den Unterschied zwischen highquality- und high-level-Tanzen exzellent verdeutlicht. Ich erlaube mir hier einmal, die wesentlichen Punkte dieses Artikels zusammenzufassen (oder zumindest die für mich wesentlichen Punkte), um sie als Startpunkt für meine eigenen Anmerkungen zu verwenden. Bill findet folgende Punkte:

Gute Tänzer werden von ihren Mittänzern normalerweise
als solche anerkannt. Die meisten
Tänzer streben an, zu den guten Tänzern dazuzugehören.

Bill sprach über seine Kriterien, um die gute oder schlechte Leistung eines Tänzers zu beurteilen. In Kurzform waren das:

  • Anzahl der Fehler: Bessere Tänzer machen weniger Fehler.

  • Beherrschung der Grundlagen: Bessere Tänzer haben ein überlegenes Verständnis über gewisse grundlegende Elemente, die die Basis einer großen Zahl von Calls und Konzepten bilden - Beispiele sind circulate, rotate, trade, hinge, roll, etc.

  • Fähigkeit zu helfen: Wie viel Unterstützung kann der Tänzer den anderen in seinem Square bieten?

  • Anpassungsfähigkeit: Bessere Tänzer können sich einer Situation anpassen, die eine logische Weiterführung von Bekanntem darstellt, ohne dass dies vorher ausdrücklich unterrichtet oder durchgenommen wurde.

  • Fähigkeit, mit geometrischen Verzerrungen klarzukommen: Kann der Tänzer geometrisch verschobene Aufstellungen handhaben, soweit sie auf dem jeweiligen Tanzlevel legal sind? Präzision: Bessere Tänzer bilden präzisere Formationen und nehmen präzise Blickrichtungen ein.

  • Fähigkeit, das 'Unrichtige' zu erkennen: Bessere Tänzer merken es, wenn etwas keinen Sinn macht, wenn eine Formation nicht korrekt sein kann, also ein Fehler gemacht wurde.

  • Fähigkeit zu reparieren: Wenn gute Tänzer einen Fehler machen oder sich in einer Situation wiederfinden, die sie nicht verstehen, können sie anpassen, um den Square in Bewegung zu halten.

  • Vertrauen: Wie sicher ist der Tänzer, dass er/sie weiß, was gerade los ist?

Die Aspekte bis hierher sind unabhängig vom Tanzprogramm. Sie gehen jeweils über das hinaus, was zu einem gegebenen Callerlab-Programm gehört. Daraus folgt eben gerade nicht, dass jeder beliebige C4- Tänzer notwendigerweise ein 'besserer' Tänzer ist als jeder beliebige A2- Tänzer, einfach wegen seines normalen Tanzprogramms. Es ist absolut möglich für einen A2-Tänzer, ein besserer Tänzer zu sein als ein C4-Tänzer, abgesehen von der Tatsache, dass ein C4- Tänzer vielleicht mehr Calls kennt.

Die Square-Dance-Bewegung war nicht sehr erfolgreich darin, die Aspekte auf den Punkt zu bringen, die zum guten Tanzen beitragen. Daher nehmen sehr viele Leute fälschlicherweise an, dass es eine direkte Korrelation gibt zwischen dem Programm, das jemand tanzt und der Qualität seines Tanzens. Sie gehen davon aus, dass die Teilnahme an einer Veranstaltung eines höheren Programms zeigt, dass jemand ein besserer Tänzer sein muss.

Weil wir alle von unseren Mittänzern als gut angesehen werden wollen, verstärkt dieser Irrtum einen unangemessenen Druck, in den Programmen aufzusteigen.

Die Gleichsetzung von Tanzprogramm und Prestige hat zu einem unglücklichen Rückgang der Durchschnittslevels der Tanzfähigkeiten geführt, die in den Advanced- und Challengeprogrammen vorgeführt werden.

Mein Ziel ist hier nicht eine Kritik von Bill Heimanns Artikel, sondern darauf aufzubauen; daher verstehen sich diese Punkte mehr als eine Gedächtnisauffrischung. Wer Bills Artikel noch nicht gelesen hat, dem möchte ich ihn sehr ans Herz legen.

Beim Lesen von Bills Artikel war das erste, was mir auffiel, dass seine Liste von Kriterien für einen 'guten Tänzer' eigentlich aus einem einzigen Punkt bestand, mit einer Anzahl unterstützenden Merkmalen. Die meisten von Bills Kriterien waren im Grunde Spezialfälle von seinem ersten Punkt: Bessere Tänzer machen weniger Fehler. Ich glaube, bessere Tänzer machen weniger Fehler, weil sie ein gutes Verständnis der Grundlagen haben, weil sie sich anpassen können und mit geometrischer Verzerrung klarkommen, weil sie präzise sind, Fehler erkennen und reparieren können. Außerdem tendieren Tänzer, die wenig Fehler machen, zu Selbstvertrauen und dazu, anderen zu helfen. Daher denke ich, dass sich Bills Liste eigentlich auf einen einzigen Aspekt eindampfen lässt: Bessere Tänzer machen weniger Fehler.

Obwohl ich nicht behaupten möchte, dass eine geringe Fehlerrate die einzige Qualität eines guten Tänzers ist, scheint das Fehlerniveau, das Tänzer an den Tag legen, eindeutig das wichtigste Kriterium zur Beurteilung ihrer Tanzfähigkeit zu sein. Wenn das so ist, halte ich es für lehrreich, die 'Leistung' der Tänzer aus diesem Blickwinkel zu untersuchen. Wie viele Fehler können von einem kompetenten Tänzer vernünftigerweise im Laufe eines Abends erwartet werden?

Wie viele Sequenzen in einem Tip sollte ein Square normalerweise erfolgreich ausführen? [Anmerkung des Übersetzers: Mit Sequenz ist hier eine Folge von Calls gemeint, die in der Homeposition beginnt und endet.

Zuerst müssen wir definieren, was wir unter einem 'Fehler' verstehen. Ich spreche nicht von kurzem Zögern oder einem falschen Start. Ich meine hier die tödlichen Fehler, die den Square bröckeln lassen. Ich nenne dies einen fatalen Fehler. Ich definiere einen fatalen Fehler folgendermaßen:

Eine falsche Handlung (oder gar keine Handlung), die

  • wenn sie unkorrigiert bleibt, entweder zu einem Zusammenbrechen des Squares oder zu einer falschen Auflösung führen würde, und

  • die vom Verursacher nicht entdeckt [und korrigiert] wird, bevor sie den Square schädigt.

Meine Frage ist also: Wie viele derartige Fehler sind bei einem kompetenten Tänzer akzeptabel?

Beim Überlegen wurde mir schnell klar, dass es keine einfache Antwort gibt. Es ist einfach, zwei zu sagen. Oder siebzehn. Oder neunundachtzig - aber ohne eine Bezugszahl hat die Zahl selbst keine Bedeutung. Die zugrunde liegende Annahme in unserer Beschäftigung mit Fehlern beim Tanzen ist, dass Fehler unmittelbar zum Zusammenbrechen von Squares beitragen, und dass zusammengebrochene Squares die Tänzer in Zuschauer verwandeln, die den anderen Squares beim Tanzen zugucken. Wir gehen hier davon aus, dass der Anteil der Zeit, die die Tänzer mit Zugucken verbringen, inakzeptabel zunimmt. Dieser Gedankengang macht aus meiner Ausgangsfrage zwei Fragen:

  • Ein wie hoher Anteil reinen Zuschauens an der gesamten Tanzzeit ist akzeptabel?

  • Wie beeinflussen Fehler diese Zeit des Zuschauens?

Die erste Frage ist eine Sache der persönlichen Einschätzung, aber die zweite ist einer Analyse zugänglich. Wenn wir die[se] Analyse vornehmen, sind wir möglicherweise besser imstande, die für die erste Frage notwendige Einschätzung vorzunehmen.

Zunächst müssen wir unsere Begriffe so quantifizieren, dass eine Analyse möglich wird. Da wir uns mit der Anzahl der Fehler beschäftigen, die Tänzer machen, ist es nützlich, diese als eine Fehlerrate zu quantifizieren, indem wir die Anzahl der getanzten Sequenzen [Definition Sequenz – siehe oben] als Basis nehmen. Wenn zum Beispiel ein Tänzer Fehler im Verhältnis von einem Fehler pro fünf Sequenzen macht, folgt daraus, dass er (sie) vier von fünf Sequenzen fehlerlos tanzt. Mit anderen Worten kann man sagen, der Tänzer führt achtzig Prozent der gecallten Sequenzen fehlerlos aus. Dieser Wert kann auch als Ausdruck der Wahrscheinlichkeit aufgefasst werden, mit der dieser Tänzer irgendeine beliebige Sequenz erfolgreich tanzt. Im Weiteren werde ich einen solchen Tänzer als einen '80-Prozent-Tänzer' bezeichnen.

Nun wollen wir einmal untersuchen, wie gut Tänzer mit verschiedenen Wahrscheinlichkeiten für das fehlerfreie Tanzen dies voraussichtlich auch tun werden. - Angenommen, dass jeder Tänzer des Squares neunzig Prozent der Sequenzen ohne fatalen Fehler tanzt. Eine Rate von neunzig Prozent gilt in der Schule normalerweise als ziemlich gut. Im Zusammenhang mit dem Tanzen bedeutet das, dass man eine Sequenz von zehn „in den Sand setzt“. Was uns interessiert, ist die Wahrscheinlichkeit, mit der acht Tänzer – (jeder einzelne zu neunzig Prozent fehlerfrei) - es durch eine Sequenz schaffen, ohne dass einer davon einen Fehler macht.

Die Statistik sagt, dass die Formel für diese Berechnung das Produkt der Einzelwahrscheinlichkeiten ist. Also kann ein Square,-der ausschließlich aus 90-Prozent- Tänzern besteht, mit folgendem Ergebnis rechnen:

0,9 mal 0,9 mal 0,9 mal 0,9 mal 0,9 mal 0,9 mal 0,9 mal 0,9 = 0,4305 = 43 %

Weniger als die Hälfte der Sequenzen!

Oder, in anderen Worten, sie würden mehr als die halbe Zeit stehen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele das Zugucken mehr als die Hälfte der Zeit als befriedigend bezeichnen werden. Wir wollen dies einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen. Angenommen, wir beziehen unsere Zahl '90 Prozent' auf den Gesamtsquare statt auf die Einzeltänzer: Wie gut müssen die Tänzer tanzen, um 90 Prozent aller Sequenzen zu schaffen? Wir suchen eine Zahl n, für die gilt:

n mal n mal n mal n mal n mal n mal n mal n = 0,9

Wenn man das ausrechnet, ergibt sich n = 0,987 oder 98,7 Prozent. Damit also der ganze Square 90 Prozent schafft, muss jeder Einzelne mit 98,7 Prozent Wahrscheinlichkeit richtig tanzen!

Das scheint eine sehr hohe Leistung – schließlich bekommen in der Schule nur geniale Schüler 98,7 Prozent [der möglichen Punkte]. Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittlicher zweieinhalbstündiger Tanzabend aus sieben bis acht Tips von jeweils zehn oder zwölf Sequenzen besteht und wenn dieser 98,7 Prozent repräsentiert, bedeutet das höchstens einen Fehler pro Abend

Vielleicht schießt der Versuch, einen neunzigprozentigen Erfolgslevel für den Square als Ganzes zu erzielen, über das Ziel hinaus – dennoch: Wir haben schon gesehen, dass 90-Prozent-Tänzer mehr als die halbe Zeit stillstehen werden - also ist es klar, dass jeder Wert, den wir ansetzen wollen, höher sein muss.

Inzwischen werden viele Leser sich sagen: „Aber das macht doch keinen Sinn! Ich habe in Squares mit vollständig unfähigen Tänzern getanzt, und wir haben dennoch die meisten Sequenzen hingekriegt. Diese Zahlen können einfach nicht stimmen“ - und, natürlich tun sie das auch nicht!

Was die oben angestellten Berechnungen übersehen, ist, dass viele (wenn nicht die meisten) Fehler korrigiert werden, bevor der Square sich auflöst. Tatsächlich werden, wenn sich die Tänzer gegenseitig gut kennen, viele Fehler vorweggenommen und verhindert, bevor sie gemacht werden. Das heißt, es gibt im Square Tänzer, die nicht nur ihren Part fehlerlos tanzen, sondern auch zumindest einige der Fehler der anderen korrigieren.

Eine andere Sichtweise ist hier, dass Tänzer, die andere korrigieren, mehr als hundert Prozent tanzen. Sie tanzen ihren eigenen Part zu hundert Prozent, plus einige Dinge, die [eigentlich] von anderen Tänzern auszuführen wären. Nehmen wir zum Beispiel an, wir haben einen Square aus sechs Hundert-Prozent-Tänzern und einem siebten, der achtzig Prozent tanzt. Wenn der Achte ebenfalls 100 Prozent tanzt, gelingen dem Square 80 Prozent der Sequenz. Aber wenn der achte Tänzer alles von seinem Part tanzen kann und zusätzlich die Hälfte der Fehler des siebten Tänzers repariert, könnte der Square 90 Prozent Erfolg haben. Daher kann man argumentieren, dass der achte Tänzer 110 Prozent tanzt; 100 Prozent für sich selbst plus 10 Prozent der Verantwortlichkeit des siebten Tänzers. Wenn einer der anderen Tänzer dieses Kunststück ebenfalls hinbekommt, dann könnte der Square theoretisch eine hundertprozentige Erfolgsrate erreichen, trotz der Anwesenheit eines 80-Prozent-Tänzers.

Dieses Phänomen ist ein integraler Bestandteil des Tanzprozesses. In der Mehrzahl der Fälle, wenn ein Tänzer einen Fehler macht, ist ein anderer Tänzer imstande, ihn zu korrigieren und den Schaden für den Square zu vermeiden. Dieser Prozess ist wesentlich für einen gesunden Square und ist ein [völlig] normaler Bestandteil guten Tanzens. Dennoch - pathologisch [Editor: abnorm, anormal, unnatürlich] wird es, wenn die Hilfe immer in die gleiche Richtung fließt. Anstelle eines bi-direktionalen Zusammenspiels haben wir eine Person, die ständig hilft und eine andere, die immer am empfangenden Ende steht.

Ich glaube, dass dieser letzte Aspekt gerade ins Zentrum des Themas Tanzqualität trifft. Wenn man die Tänzerbevölkerung in irgendeinem beliebigen Tanzprogramm untersuchen müsste, könnte man die Fähigkeiten der Tänzer in drei Kategorien einteilen:

  1. Tänzer, die im Großen und Ganzen nicht die volle Kompetenz haben, das Programm zu tanzen. Sie würden nur sehr wenige Sequenzen schaffen ohne die Gegenwart anderer Tänzer, die ihre Fehler korrigieren.

  2. Tänzer, die im Großen und Ganzen das Programm kompetent tanzen. Sie können ihren eigenen Part ohne Unterstützung tanzen. Ihr Level ist nah an hundert Prozent. Ein Square aus derartigen Tänzern sollte in der Lage sein, eine mindestens neunzigprozentige Erfolgsquote zu erreichen.

  3. Tänzer, die im Großen und Ganzen fähig sind, ihren eigenen Part mit hundertprozentiger Sicherheit zu tanzen und außerdem anderen helfen können. Das sind die Leute, die es den Tänzern der ersten Kategorie erst erlaubt, teilzunehmen.

An dieser Stelle ist es wichtig zu verstehen, dass alle drei Kategorien notwendig sind. Manche denken vielleicht, wenn wir uns der Tänzer der ersten Kategorie entledigen, sind unsere Probleme gelöst. Überhaupt nicht! Man sieht schnell, warum, wenn man sich die drei Kategorien noch einmal anschaut und sie als drei Phasen betrachtet, durch die ein Tänzer hindurchgeht, wenn er nach und nach lernt, ein gegebenes Programm zu beherrschen. Daher wären in einer idealen Welt die Leute in Phase 1 jeweils die Neulinge in diesem Programm. Weil es eine Menge Dinge in den A- und C-Programmen gibt, die nur durch Erfahrung gemeistert werden können, kann man bei den Neuen höhere Fehlerquoten erwarten. Sogar, wenn dein Verstand Magic Diamonds kapiert hat, wie oft musst du noch in die Situation kommen, um solche Sachen ohne jede Großtuerei zu tanzen?

Also können wir die Phase-1-Tänzer nichteinfach loswerden - sie sind die Zukunft!

Weil sie aber Hilfe brauchen, müssen sie durch eine angemessene Anzahl von Phase-3-Tänzern ausgeglichen sein. In einer perfekten Welt wäre jedes Programm immer ausgestattet mit Tänzern aus allen drei Phasen in ausgeglichenen Proportionen - beispielsweise 20 Prozent in Phase 1, 60 Prozent in Phase 2 und 20 Prozent in Phase 3. Aber die Welt ist nicht perfekt, und hier liegt der Kern unseres Problems. Wegen des Drucks, von Programm zu Programm aufzusteigen, kürzen viele Leute die drei Phasen ab. Sie steigen von Phase 1 zu Phase 2 und gehen dann weiter zum nächsten Programm (wo sie natürlich wieder in Phase 1 sind). Weil dies sich immer weiter verbreitet, fangt der Anteil der Phase-3-Tänzer in allen Programmen an zu erodieren, was die Hilfe vermindert, die für die neuen Tänzer zur Verfügung steht. Ohne die notwendige Hilfe schreiten die Phase-1-Tänzer langsamer fort nach Phase 2 - oder überhaupt nicht.

Jetzt kommt der hinterhältige Aspekt dieses Prozesses! Neue Tänzer, die in einem Tanzprogramm ankommen, finden keine Phase-3-Tänzer vor als Hilfe um kompetent zu werden: „Anscheinend weiß in diesem Programm keiner, was er tut.“ Aber natürlich wissen wir alle, dass die besseren Tänzer in irgendeinem höheren Programm als wir selbst tanzen - die Antwort ist also, die Calls auf der Liste für den nächsten Level zu lernen und weiterzugehen. Dieser Prozess führt dazu, dass Tänzer, die erst einmal C1 meistern müssten, plötzlich auf C3-Veranstaltungen auftauchen.

Wie Bill Heimann gegen Ende seines Artikels sagt, ist es Zeit mit unserem Tun aufzuräumen [original: 'to clean up our act']. Wir müssen anerkennen, dass wir mit unserer Anwesenheit auf einer Veranstaltung irgendeines beliebigen Programms eine Verpflichtung gegenüber den anderen Tänzern übernehmen. Diese Verpflichtung bedeutet, dass wir unseren angemessenen Anteil tanzen müssen. In dem Maße, in dem wir nicht diesen Anteil tanzen können, stellen wir eine Last für die anderen Tänzer dar, eine Bürde, die wir ihnen einseitig auferlegt haben dadurch, dass wir uns in ihren Square stellen. Was ist unser „angemessener Anteil“? Ich glaube, dass dieser mit der Erfahrung in dem jeweiligen Tanzprogramm variiert:

Phase 1 - Wenn man mit einem Tanzprogramm beginnt, wird der Anteil relativ niedrig sein, vielleicht 75 bis 80 Prozent. Andere Tänzer können mit Recht erwarten, dass man alle Calls und Konzepte der Liste kennt, aber es wäre unrealistisch, von einem Neuling die fehlerlose Ausführung aller möglichen Varianten und Umdeutungen [original: 'contortions'] zu verlangen.

Phase 2 - Mit einer gewissen Erfahrung in dem Programm steigt der Anteil auf 100 Prozent. Das bedeutet, dass andere Tänzer ein Recht darauf haben, dass du deinen Part fehlerlos tanzt. Sicher, jeder macht von Zeit zu Zeit Fehler. Aber das sollten vorübergehende Abweichungen sein wegen momentaner Unaufmerksamkeit, wegen Verhörens oder weil der Schuh aufgegangen ist. Sie sollten sehr selten passieren.

Phase 3 - Mit viel Erfahrung in dem Programm steigt der Anteil auf einen Wert oberhalb von hundert Prozent. Es ist jetzt deine Aufgabe, denen zu helfen, die neu in dem Programm sind und ihre Fehler auszugleichen.

Es ist sehr wichtig zu erkennen, dass du in der ersten Phase die Stärke anderer in Anspruch nimmst. Die Rechtfertigung dafür liegt in der Bedingung, dass du später von der ersten zur dritten Phase aufsteigen wirst und dann im Grunde die Hilfe zurückzahlst, die dir gegeben wurde.

Wenn du weitergehst ohne die Hilfe zurückzuzahlen, die dir gegeben wurde, übervorteilst du die, die dir in das Programm folgen. Wenn du weitergehst, bevor du in deinem augenblicklichen Programm kompetent bist, dann übervorteilst du sowohl das Programm, das du verlässt, als auch das, das du neu betrittst. Aber wichtiger als alles andere: Du übervorteilst dich selbst.

Übersetzung: Martin Ingenhütt, Colonia Swingers www.dancing.scootback.de

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