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Die Quadrille

Text von Dorothy Shaw


Am Anfang des 18. Jahrhunderts begann die englische Gesellschaft ihre Volkstänze zu vergessen, sie tanzten kleine "Jigs" und "Round Abouts" und später Polkas. Sie vergassen die "Lines", die "Rounds für so viele wie wollten", die "Round für acht" und den "Square für acht". Wenn Du dir diese Aufzählung eine Minute lang ansiehst wirst Du feststellen, dass dieser "Square für acht" - der richtige Square Dance - nahe daran war, vergessen zu werden, unbeachtet weit hinten am Ende eines Astes wie ein schöner reifer Pfirsich, der selbst von der Leiter aus nicht erreicht werden konnte.

Sein Überleben schien am "Round für acht" zu hängen, den die Franzosen als nächstes entdeckten. Sie holten ihn über den Kanal und machten daraus einen Tanz den sie "contredanse francaise" nannten. Sie müssen dabei den "Square für acht" mit übernommen und eingebaut haben, denn sie hatten ebenso wie wir Schwierigkeiten den Unterschied zu erklären.

Aber was machte das schon?

Petticoat Tänze

Aus diesem neuen Material machten sie keinen Contra Dance sondern richtigen Square Dance. Sie erfanden bald einen eigenen Namen dafür: Cotillon. Cotillon bedeutet Petticoat (Unterrock), und der Name mag von einem Volkslied jener Zeit gekommen sein, in dem es heisst: Mein Schatz, sieht man meinen Unterrock wenn ich tanze? Wir nehmen an, sie hoffte man würde etwas sehen, denn es war ein besonders schöner Unterrock. Es war als ob sie ein strohgedecktes englisches Landhaus mit steilem Dach, einem Garten und einem Bach genommen und es in ein französisches Schlösschen mit Rasenflächen, gestutzten Hecken und einem Becken mit einer Fontäne umgebaut hätten.

Der Cotillon war streng quadratisch in der Formation und wie sich zeigte, streng ländlich. Sein grösster Fehler war die Monotonie. Endlose Wiederholungen der gleichen Figuren in endlosen Tänzen haben den Cotillon sterben lassen.

Ein Versuch der Wiederbelebung wurde im 19. Jahrhundert unternommen indem so viel Abwechslung hineingebracht wurde, dass der Tanz seine Eigenarten vollständig verlor. In Amerika wurde ein Cotillion (mit dem "i") entwickelt, ein herrlicher Tanzreigen, in dem sich keine zwei Tänze glichen. Das ganze Arrangement war sehr aufwendig gestaltet, und am Ende des Tanzes wurde den Damen ein kleines Geschenk überreicht. Der richtige Cotillon hätte wiederbelebt werden sollen, war aber schon ein halbes Jahrhundert verloren und das Wort hatte, obwohl es noch benutzt wurde, keine Bedeutung mehr.

Der einzige Grund warum wir den Cotillon in unserer Geschichte eingeschlossen haben ist die Tatsache, dass er zur Grossen Quadrille geführt hat. Das ist auch der Name der in Grossbuchstaben geschrieben werden muss.

Die GROSSE QUADRILLE

Das Wort heiss natürlich vierfach - ein Tanz für vier Paare in einer vierseitigen Figur. Der leichte Square Dance setzte sich aus fünf Figuren zusammen deren erste normalerweise eine Art Überkreuzen war wie "Head couples right and left through and the sides do the same" (Kopfpaare rechts und links vorbei und die Seitenpaare machen das Gleiche). Dann mag es eine Art Vor- und Zurück-Figur gegeben haben und dann ein "Alamo Style balance" in einer Viererlinie (Welle). Anschliessend vielleicht noch einen Kreis nach links mit "Four Ladies Grand Chain" (eine vier Damen Kette) und einer Basket (Korb) Figur. Ihr modernen Square Dancer tanzt so etwas "mit links".

Quadrille - 1850's (© CHD)
Quadrille Couple Quadrille Group
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Der Tanz muss seine fröhliche Musik, die wunderbar geschriebenen englischen und schottischen Stücke, verloren haben. Die neue Musik war aber auch schön. Sie wurde von Streichern und Holzbläsern gespielt, anstatt von Dudelsäcken, Oboen und Bombardons. Man benutzte fast klassische Tanzmusik, Opernstücke und Musik, die extra für diese Quadrillen von bekannten Komponisten geschrieben wurde.

Wir sind jetzt in der Mitte des 19. Jahrhunderts und man kann diesen Tanz einfach nicht auf einem Dorfrasen tanzen. Die Röcke der Damen waren meterlang, über und über gerafft und gerüscht, bis die Damen aussahen wie wandelnde Lampenschirme.

Die Herren trugen lange enge Hosen und Hemden mit Leinenrüschen, dazu ausgearbeitete Jacken. Zum Tanzen brauchte man einen grossen spiegelnden Tanzboden, dazu das Licht hunderter Kerzen in Kronleuchtern und eine Bühne für die Musiker. Und man brauchte zum ersten mal einen PROMPTER. Dies war noch kein Caller, aber jemand der kurz erklärt, was als nächstes kommt. Undenkbar wäre es gewesen, wenn einer der Tänzer "Ladies Chain" gerufen hätte.

Der Square Dance, Enkelkind der Gassentänze und des Hofballetts, Kind der Vierertänze im Quadrat und in der Runde, war in die Ballsäle gekommen. Und dort blieb er eineinhalb Jahrhunderte lang um am Ende eine ruhmreiche Blüte in den amerikanischen Ballsälen zu erleben.

Zur gleichen Zeit als dies passierte, ereignete sich einer der grossen Durchbrüche in der Geschichte des Tanzes. Die Polka kam auf Zehenspitzen herangesprungen, Hand in Hand mit dem Walzer. Der Paartanz war geboren. Nicht dass es nicht immer Paartänze gegeben hatte, denn er ist eine alte Tanzform voller Symbolbedeutung für das Verhältnis zwischen Mann und Frau. In der Darbietung hatten diese frühen Paartänze oft etwas jungfernhaftes an sich. Im späten 18. Jahrhundert sah man nichts mehr symbolhaftes darin wenn ein starker Mann eine schöne Frau eng in seine Arme nahm und zur schönsten Tanzmusik welche die Welt je gekannt hatte, dem Walzer, endlos über den spiegelnden Tanzboden wirbelte. Genauso wenig sah man etwas symbolhaftes darin wenn beide zu dem so beliebten Hüpfen ihre Knie anzogen, so dass die etwas bäuerlich wirkende Polka zum Liebling des Teakholz-Tanzbodens wurde.

Wir sollten noch über den Unterschied zwischen einem Paartanz (couple dance) und einer Runde (round dance) sprechen und danach fragen, warum wir als eine Runde etwas bezeichnen, was sich von der "Runde für so viele wie wollen" der englischen Volkstänze ziemlich unterscheidet. In Wirklichkeit ist der Unterschied nicht sehr gross.

Unser Round Dance ist ein Tanz mit einem festgelegten Ablauf, nicht nur für ein Paar, sondern für eine Gruppe von Tänzern die sich alle gleichzeitig in dieselbe Richtung bewegen und die gleichen Schritte zum gemeinsamen Takt der Musik tanzen.

Ein Paartanz andererseits gehört zu einem einzelnen Paar. Wenn genügend Platz vorhanden ist, können sie sich über die gesamte Tanzfläche bewegen und ihre eigene Figurenfolge improvisieren. Der Herr mag der Dame, sofern die Musik es zulässt oder verlangt, Änderungen zum Ablauf ins Ohr flüstern (oder er ist erfahren genug, um nur mit den Händen zu führen): "twinkle" oder "lift" oder "cross over". Es ist der einzige kreative Tanz der uns geblieben ist (ausser Du interessiert dich für Jitterbug). Es erschreckte zunächst manche Leute als diese Tanzform die Ballsäle eroberte. Und, wie viele solcher Dinge, erwies sich diese Tanzform als eine der besseren Erfindungen der Menschheit.

Was hat aber dies alles mit der Geschichte von Square Dance zu tun? Viel, weil hier zwei Dinge füreinander bestimmt waren. Man konnte die Abläufe einer Quadrille zu den Schritten eines Walzers tanzen, und was dabei heraus kam war die Königin aller Square Dances. Man konnte es zur Polka tanzen, oder zur Mazurka, oder zur Redowa. Auf dem Boden einer reinen Quadrille blühte ein reicher Garten mit den schönsten Blumen: die Polka-Quadrille, die Mazurka-Quadrille und die Walzer-Quadrille. Wir hätten diese Walzer-Quadrillen eisern festhalten sollen, denn sie waren unser grösster Schatz, der Tanz der Tänze.


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