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Zu der Zeit als Louis XIII und Louis XIV am französischen Hofe die Regierungsgeschäfte führten war das Menuett ein fester Bestandteil des höfischen Tanzrepertoires. Auch wenn das Menuett als ein eher grober Bauerntanz entstanden ist, wurde es doch so wichtig, dass wir es in unserer Zeittafel einschliessen müssen, da all unser Bemühen im Takt nette Schrittkombinationen auszuführen in diesem Tanz seinen Ursprung hat. Immerhin war das Menuett in ähnlichen Formen über Jahrhunderte fest in der Kultur verankert. In diesem Zusammenhang, nur einige Jahre zurück in den Zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts, hatten wir einige sehr bekannte "Square Dancer - Rounds", die den Namen Menuett getragen haben. Diese waren Vereinfachungen der alten Schritte des Menuetts (das Oxford Menuett ist ein Beispiel dafür) und der Gavotten (die Glow Worm Gavotte). Wir trauen es uns kaum zu sagen, dass sich einige beliebte Round Dances dieser Saison sehr nahe an den Menuett- oder Gavottenstil anlehnen, da diese Bemerkung eventuell dazu führen könnte, dass keiner diese Tänze mehr tanzt. Trotzdem kann man sagen, dass jeder Square Dancer der Round Dance tanzt, dem Menuett viel zu verdanken hat. Wir müssten schon sehr wichtige Persönlichkeiten sein, um am Hofe Louis XIII zu einem Hofball eingeladen zu werden. Aber wenn wir teilnehmen dürften würden wir sehr erstaunt sein, den König selbst mit Anne von Österreich an seinem Arm bei dem ersten Branle-Tanz zu sehen, bevor er sich auf den Thron setzt, um die anderen Höflinge für den Rest des Abends bei ihren vornehmen und mitunter gewagten Tanzschritten zu beobachten. Das ganze Treiben ähnelt unseren heutigen Tänzen zwar überhaupt nicht, aber wir sind nichtsdestotrotz erstaunt zu entdecken, dass der König selbst ein hervorragender Tänzer ist. Falls wir lange genug leben würden und in der glücklichen Lage wären während der Amtszeit Louis XIV wieder einen königlichen Ball besuchen zu dürfen, würden wir etwas sehr Erstaunliches feststellen. Das Ballett beginnt zu blühen, mit Teilnehmern, die Amateure sind! (Dies ist fast das Abbild von einer Round Dance Showeinlage auf einer Square Dance Convention). Louis selbst, in der Verkörperung eines Gottes, tanzt die Hauptrolle, während aristokratische Höflinge die Nebenrollen übernehmen. Wir würden auf die Plätze einfacher Zuschauer zurückgedrängt und könnten nicht an den Tänzen teilnehmen. Wir fangen an uns zu wundem, was das Ganze mit uns zu tun haben könnte. Die Antwort liegt in den Englischen Country Dances, die zu dieser Zeit über den Kanal springen und einen grossen Einfluss auf die Hoftänze am Hofe Louis XIV haben. Sie lockerten den Stil mit ihren verflochtenen Figuren auf und ermöglichen uns wieder am Geschehen teilzuhaben. Hauptsächlich kamen Formen des "Reihentanzes für so viele wie wollen" über den Kanal und nahmen Frankreich im Sturm, als das 17. Jahrhundert in das 18. überging. Es gab Country Dances in Spanien, Deutschland und in Frankreich selbst, die von den Franzosen hätten angenommen werden können. Sie hatten Tänze aller Formen und Arten. Die "Englisch Longways" aber hatten ein Element mit dem kein anderer Tanz aufwarten konnte : der allmähliche Auftritt von Paar auf Paar, ein Element, das Kurt Sachs "die effektvolle Kombination von Choral-Tanz und Paar-Tanz" nannte.
Flexibilität als ein FaktorEs wurde weder eine bestimmte Anzahl von Paaren gebraucht um tanzen zu können, noch war es notwendig, exakte Vierecke oder Kreise zu bilden. Eins nach dem anderen tanzten die Paare die gleichen Figuren zur gleichen Melodie, arbeiteten sich vom Anfang bis zum Ende der Reihe durch. Und wenn einmal ein Paar zu spät für einen Tanz erschien, konnte es sich am Ende der Reihe immer noch anschliessen. Wenn es dann an der Reihe war, wussten auch die später Gekommenen, wie die Figurenfolge zu tanzen war. Longways Dances "für so viele wie teilnehmen wollten" funktionierten wie die langweilige moderne Version des Virginia Reel. Das erste Paar arbeitete sich den ganzen Weg bis zum Ende durch, bevor das nächste Paar an der Reihe war. Die Schotten letztendlich blieben bei diesem Tanzstil. Warum sollten sie ihn auch fortentwickeln? Der Tanz wurde durch neue Variationen aufgelockert. Jedes zweite Paar führte nun die Figuren mit seinem Gegenpaar gleichzeitig aus, so dass niemals jemand in der Reihe untätig war. Die Tänzer bewegten sich in kleinen Sets, die jeweils aus zwei Paaren bestanden, dem "Square for four". Eine andere Variante bestand darin, dass jedes dritte Paar ein aktives Paar war, so dass kleine "Sets zu drei Paaren" entstanden, die "Longways for six" in den langen Longways. Dieser Tanz enthielt alle unsere Grundbausteine der Quadrille: right-left-through, ladie's chain und men's chain, Dixie chain und square-through, stars und bend-the-line, circles und balances, swings und allemande-lefts. Ein guter alter Tanz
Es gab auch einige nette Kuriositäten bei diesen Tänzen,
wie zum Beispiel die folgende Sequenz in einem "Longway for six" mit dem Namen All in
Garden Green: then the 2nd; then the 3d by one hande, then the other, kisse her twice and turne her. Shake the 3d by the hande; then the 2nd; then your owne by one hande, then the other, kisse her twice and turne her" Dies ist purer Amerikanischer Square Dance! Letztendlich standen die englischen Tänze auch für die französischen Tanzmeister zur Verfügung. Ein in London ansässiger Verleger, Playford war sein Name, brachte 1650 das erste Buch in den Verkauf, das die Instruktionen für diese Country Dances zusammenfasste. Durch die Jahre wuchs die Auflage und der Inhalt dieses Buches, bis die letzte Ausgabe des "English Dancing Master" mehr als 900 Tänze, zumeist Longways, umfasste. Welch eine Schatzkiste! Diese Tänze brachten Spass! Auch wenn einige französische Tanzmeister sie zuerst als flegelhaft bezeichneten und Tänze in denen die Tänzer sprangen, sich drehten, steppten und ihre Körper schwangen, ablehnten. Ein flegelhafter Urenkel dieser Tänze existiert auch heute noch in der Form des CanCan. Aber die Figuren waren einfach unübertroffen, und schon bald reisten Tanzmeister aus Frankreich nach England, um neue Figuren und Tänze im Reisegepäck nach Hause zu ihren Grafen und Baronen mitzubringen. Dieses klingt doch schon sehr vertraut! Und so verdanken wir den Franzosen unsere Freude an den "Contredanse". Letztendlich nahmen sie sich der Longways an, zivilisierten sie, polierten sie auf und gaben ihnen einen neuen Namen. Contre in der französischen Sprache hat nichts mit der Bedeutung des englischen Wortes Country zu tun. Es bedeutet vielmehr "gegenüber", ein Tanz bei dem sich zwei Reihen von Tänzern gegenüberstehen. Im Gegensatz dazu beinhaltet der Country Dance alle englischen Formen. Wir haben heute den Namen übernommen und nennen den Tanz "Contra Dance". Später, in Neuengland, wurde er auf "Contry" verkürzt. Der "Country Longways" und der "Königliche Contra" lebten friedlich nebeneinander und bewegten sich jeweils auf ihren eigenen Pfaden entlang der Zeitachse und berührten sich bei den gemeinsamen right-and-lefts, den stars und den chains. Jedesmal wenn sie sich trafen sorgten sie dafür, dass sich die Zweige des gemeinsamen Stammbaumes ineinander verhedderten und verwoben. Einige unserer modernen Line Dances sind rein "Country", andere original "königlich-höfischer" Natur. Tänze mit höfischen Titeln, wie Queen's Favourite oder Queen Victoria sind Spuren dafür, dass diese Tänze ein zweites mal den Kanal überquert haben, zurück nach England, aber mit französischen Manieren. Was passierte aber nun mit den Schotten, deren Beziehungen mit Frankreich zumeist weniger gestresst waren als die mit den Engländern? Sie stifteten der Welt sehr wahrscheinlich den "Reel", über England oder doch über Frankreich? Die exakt gesetzten Schritte lassen auf eine Verwandtschaft mit den englischen Tänzen vermuten, aber die gewagte Art des "cast off", den sie selbst eine "Poussette" nennen ... nun, dies ist ein französisches Wort! Wenn Du heutzutage den Contredanse sehen willst musst Du schon nach Kalifornien fahren, wo die Contradanzas des alten spanischen Kaliforniens von Round Dance Gruppen wiederbelebt werden. Jene spanischen Kolonialisten müssen sich damals auch ein klein wenig nach Frankreich verneigt haben, als sie ihre liebenswerten Square-, Line- und Circle-Dances zum Walzertakt entwickelt haben.
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| Erstfassung: 25. Juni 1999, Letzte Änderung 14. Januar 2025 |